Eine bleibende Erinnerung

Am Donnerstag, den 20. November, besuchte die SV und ein Religionskurs der EF die Ausstellung „STOP FOLTER“ von Amnesty International in Aachen. Die ca. 50 Schülerinnen und Schüler wurden von Frau Färber-Messerer, Herrn Hess und Herrn Schlagenhof begleitet.

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Die Teilnehmer verließen nach der fünften Stunde den Unterricht, um sich in der Bücherei zu treffen. Sie liefen zu Fuß zum Bahnhof, wobei es Herrn Schlagenhof zeitweise nicht schnell genug ging. Unüberhörbar „beschwerte“ er sich bei der Schülersprecherin über das „peinliche“ Tempo. Doch die Stimmung war durch und durch fröhlich und auch an Witzen wurde nicht gespart. Der Zug fuhr pünktlich ab, sodass die Ankunft sich sogar verfrühte. Einen Dank an die Lokführer, dass sie sich nicht diesen Tag zum Streiken ausgesucht haben.

Die Schüler erhielten eine exklusive Führung und ein Gespräch mit Herrn Sturm, einem ehemaligen Mathematiklehrers des CMGs, der für Amnesty International tätig ist.

Amnesty International ist eine bekannte, in über 140 Ländern, in denen trotz Gesetzen Folter praktiziert wird, aktive Menschenrechtsorganisation. Ein englischen Rechtsanwalt gründete sie vor 52 Jahren in London, dem heutigen Hauptsekretariat. Dem Juristen fiel auf, dass überall auf der Welt Menschen verschwinden, d.h. sie werden verhaftet, sitzen ohne Rechtsbeistand in Gefängnissen und sterben letztlich durch staatliche Gewalt. Als Gegenbewegung entstand Amnesty International. In Berlin liegt das deutsche Nationalsekretariat.

Zuerst stellte Herr Sturm die Organisation und die Ausstellung vor. Dann erfolgte ein fünf-minütiger Rundgang.

Die Ausstellung bestand aus zahlreichen Textfolien, Tagebüchern zu Einzelschicksalen (gestaltet von Schülern aus Herzogenrath) und Objekten, die Foltermethoden veranschaulichten. Es gab Informationen von den historischen Hintergründen bis zu modernen Fallbeispielen wie Nigeria oder Marokko. Diese Aktion wird zum zweiten mal durchgeführt und ist vielversprechend, denn gut die Hälfte aller Aktionen von Amnesty International tragen Früchte.

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Danach beschäftigten sich die Teilnehmer in drei Teilgruppen und anschließen wurde gemeinsam darüber gesprochen. Sie kamen zu folgenden Ergebnissen:

1) Gründe der Folter
Folter geht hauptsächlich von staatlichen Gewalten und brutalen Strukturen aus. Ein Hauptgrund ist nicht die Beschaffung von Informationen, sondern die Einschüchterung von (politischen) Gegnern oder der Bevölkerung. Dies kann mit dem Wort „Machterhaltung“ zusammengefasst werden. In anderen Fällen will man Geständnisse erzwingen.

2) Menschen, die foltern
Wie wird man zum Folterer? Diese Frage stellte sich als komplizierter heraus, als gedacht. Folterer sind meist nicht psychologisch gestört. Sie werden von Fachkräften nach wissenschaftlichen Erkenntnissen ausgebildet. Schon zu Anfang werden gezielt Menschen mit z.B. mit niedrigem Selbstwertgefühl ausgesucht und zu dem, was sie später einmal werden, erzogen. Weiterhin verhindern Ärzte, dass die Opfer sterben.
Wir sollten nicht glauben, Folter wäre weit weg. Die USA hatten in unserem Nachbarland Polen 2-3 Verhörzentren für Terroristen, in denen gefoltert wurde.

3) Folgen von Folter und Gegenmaßnahmen
Schwere körperliche Verletzungen und noch schlimmer seelische sind die Folgen. Wer einmal gefoltert wird, ist nie mehr derselbe, denn zurückbleibt ein tiefgreifendes, nur langsam verarbeitbares Trauma. Daraus resultieren beispielsweise unbegründete Angstzustände oder Schlafstörungen. So etwas kann jemanden lebenslänglich begleiten. Zudem besteht die Möglichkeit, dass wegen psychischer Ursachen physische Schäden entstehen.
Um Folter zu stoppen, muss man Mut und Selbstbewusstsein an den Tag legen und deutlich „nein“ zu ihr sagen.Der größte Feind ist die Öffentlichkeit und die Presse. Wenn sie sich erheben, bekommen Regierungen Probleme, weil sie nicht als grausame Folterknechte dastehen wollen. Für eine dauerhafte Lösung müssten sich die Führungsebenen ebenfalls gegen Folter aussprechen als auch Verträge einhalten. Bei Vertragsbruch sollte das Volk seine Stimme lautstark erklingen lassen.
Ein weiteres Problem ist, dass nicht alle Länder den Internationalen Gerichtshof anerkennen, wie es viele europäische und afrikanischen Staaten tun. Zum Beispiel lehnen jenes die USA ab. Laut Herrn Sturm auch, da Georg W. Busch ein sonst verurteilbarer Kriegsverbrecher sei.

Amnesty International hat, um Folter den Garaus aus zu machen, zwölf Forderungen formuliert, die sich in drei Säulen ihrer Arbeitsziele ordnen lassen: „Strafe für die Täter, die zu oft ungeschoren davon kommen“, „Die Saaten in ein internationales Regelwerk gliedern“ und „Öffentlichkeit herstellen“.

Herrn Sturm erfreute das Interesse und die Ernsthaftigkeit seits der Schülerschaft. Nach dem Gespräch konnten die Schülerinnen und Schüler sich selbstständig umsehen und an Postkarten-, Petition- und Spendenaktionen der Organisation teilnehmen.

Die Ausstellung hinterließ tiefen Eindruck auf die Schüler, denn sie offenbarte die ungeschminkte, eigentlich unbeschreibliche Wahrheit. Sie erfuhren ihnen unbekannte Fakten und Dimensionen. Seine Wirkung verfehlte der Ausflug bestimmt nicht.

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